2015_Siftung_Pressemitteilung_02Frank H. und der hochgewachsene Markus S. nehmen die Anhöhe vom Parkplatz der Klinik Königsfeld bis zum Eingang im Gleichschritt und bei reger Unterhaltung. Sie kennen sich seit mehreren Jahren und nehmen regelmäßig am Herzsport des Versehrtensportclubs in dieser Klinik teil. Erst im Näherkommen bemerkt man, dass Frank behindert ist, er ist mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen. Und eigentlich ist auch nur der 38Jährige das feste Mitglied der Herzsportgruppe, Markus begleitet ihn „auf Zeit“. Denn damit der junge Mann aus der Lebenshilfe-Wohnstätte „Ehlhardt-Haus“ in Schwelm, der wegen einer Herzschwäche einen Schrittmacher benötigt, überhaupt die wichtige Körperertüchtigung mitmachen  kann, braucht er einen Partner. Und den stellt die Stiftung der Lebenshilfe, die nun seit genau zehn Jahren segensreich wirkt, über ihr einzigartiges Markenzeichen, die Zeitspende.

Spendengeld wird umgewandelt in Zeit, die ein fachlich versierter Mensch an der Seite eines Behinderten verbringt, um eine Maßnahme oder eine Aktion zu ermöglichen, wo die Regelversorgung nicht greift. Das ist öfter der Fall, als man glaubt.
2015_Siftung_Pressemitteilung_01Die Zeitspende erfüllt einen besonderen Wunsch oder greift unter die Arme, wo die Würde des Bewohners Unterstützung verlangt. Katharina Hildebrand, die Leiterin des Familienunterstützenden Dienstes der Lebenshilfe, gibt Beispiele: Ein Wohnheim-Bewohner muss dreimal in der Woche zur Blutwäsche. Der Rat ökonomischer Spezialisten: Dann könnte der Mann doch ins Pflegeheim gehen. Doch der Bewohner möchte, wie alle Nichtbehinderten in vergleichbarer Lage, in seinem Umfeld bleiben, jetzt, wo er erkrankt ist, erst recht. Denn das vertraute Umfeld stabilisiert sein Gemüt. Über die Zeitspende wird ihm an den Dialysetagen eine Fachkraft an die Seite gestellt, die ihn begleitet.

Oder die junge Frau mit Down-Syndrom, die kein eigenes Tier halten kann, aber Hunde liebt. Von Zeit zu Zeit wird sie von einem Hundebesitzer begleitet, dessen Dackel sie eigenständig an der Leine führen darf – für die Frau ein großer Tag, auf den sie sich freut, und dem sie lange nachspürt. Oder der Bewohner, der wie viele nicht behinderte Menschen, ein bestimmtes Hobby hat: Eisenbahnen. Doch er kann nicht einfach Bahnhöfe aufsuchen und den Zügen zuschauen. Durch die Zeitspende hat er einen ganztätigen Ausflug geschenkt bekommen im Eisenbahn-Museum Bochum – kein Tag wie jeder andere.

Auch für Frank H. ist der Herzsport ein herausragendes Ereignis seines Lebens. Nach der Arbeit in der Behindertenwerkstätte der AWO sucht er sein Sportzeug zusammen. Aber bitte „piano“. Markus S., der dann schon im Ehlhardt-Haus angekommen ist, weiß, dass er Frank jetzt nicht hetzen darf: „Wenn es schnell gehen soll, geht gar nichts“, weiß er.

Angekommen in der Gruppe um die Leiterin Frau Jelka begrüßen sich die Teilnehmer heiter, frotzeln kernig. Man kennt sich, z.T. schon seit Jahren, absolviert die Sportstunde, trifft sich aber auch zu Geselligkeiten und wandert zusammen.

2015_Siftung_Pressemitteilung_03An der Art, in der Frank begrüßt wird, ist spürbar, dass er längst selbstverständlicher Teil der Gruppe geworden ist – nicht als Behinderter, sondern als Mensch. „Der Frank ist unser Sonnenschein. Er lacht gern und ist heiter. Aber er kann auch in sich gekehrt sein, sehr still. Eben wie wir alle, die wir gute und stille Tage haben“, sagt eine Sportsfreundin.

Herzsport ist körperliche Ertüchtigung nach klaren Regeln. Das Tempo auf dem Trimmrad wird vorgegeben, Puls und Blutdruck werden sorgsam in den persönlichen Unterlagen der Mitglieder vermerkt.

Trotzdem ist es für Frank H. doch auch der Sport an sich, der ihn beglückt – man spürt das, weil er in seinem smarten Trainingsanzug zügig in die Pedalen tritt und dieses Tempo auch gerne beibehält. Alle Teilnehmer sind nach vorgeschriebenen 45 Minuten deutlich gefordert – auch der junge Mann aus Schwelm, neben dem Markus radelt, immer mit Blick auf seinen Schützling, der sich nicht zu viel abfordern darf.

Wie ist Frank zur Gruppe gekommen? Eine Betreuerin der Lebenshilfe hatte erkannt, dass ihm das Training unter fachlicher Aufsicht gut tun könnte. Sie stellte den Kontakt her, die Gruppe wurde gefragt, ob sie auch ein behindertes Mitglied aufnehmen würde. „Soll mal kommen!“, hieß die Antwort. Frank kam und blieb und wurde einer von ihnen.

Das Training nutzt er in vollen Zügen. Und dann kommt Franks Königsdisziplin, das Schwimmen. In seiner Kindheit ist es ihm beigebracht worden, Gott sei Dank, denn, so ein Sportsfreund: „Frank schwimmt am besten von uns allen und er taucht wie ein Fisch“.

Bitte keinen Stress! Während die anderen Gruppenmitglieder sich schon die Badebekleidung übergestreift haben und ins Wasser gleiten, dauert es noch ein wenig mit Markus und Frank. Wenn zu viel zu schnell geschieht, bekommt dem Lebenshilfe-Bewohner das nicht gut.

Doch nun erscheint auch er zusammen mit seinem Betreuer am Beckenrand. Und schon ist Frank untergetaucht, zieht eine kraftvolle Bahn unter Wasser. Als er auftaucht, schüttelt er sich das Wasser aus dem Haar und lacht kess in die Runde – er weiß, dass er in seinem Element ist und die Mitsportler sein Talent würdigen. Immer an seiner Seite – nicht bedrängend, nicht gängelnd, wohl aber sorgfältig beobachtend und präsent – Markus S.

Frank H. weiß nicht, dass Bürgerinnen und Bürger der Stiftung Lebenshilfe Geld gespendet haben, das ihm diese Betreuung ermöglicht. Er spürt aber sehr genau, dass sein Alltag an diesen Tagen besondere Farbe erhält. Und er fühlt sich wohl wie der Fisch im Wasser im Kreise von Menschen, für die er einfach nur „unser Frank“ ist.

Über die Mitgliedschaft in der Gruppe ist dem jungen Mann zweierlei gelungen. Er hält seine Gesundheit stabil und er ist ganz unspektakulär Teil einer Gemeinschaft geworden.

Natürlich ist Markus S. eine Fachkraft mit klarem Blick für das Angemessene. Aber zwischen ihm und Frank hat sich auch eine gute Männerfreundschaft entwickelt.
Wer Informationen über die Zeitspende wünscht oder sie mit einer Spende unterstützen möchte, oder wer der Stiftung Lebenshilfe etwas „stiften“ möchte, der möge sich bitte an Lebenshilfe-Geschäftsführer Rainer Bücher wenden: Stiftung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung, Hauptstraße 116, 58332 Schwelm.

Spendenkonto:
Stiftung Lebenshilfe
Sparkasse Schwelm
BLZ 45451555
Konto-Nr. 33332